Steinkrebs (Austropotamobius torrentium)

Der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) ist die kleinste und eine der vier heimischen Flusskrebsarten Österreichs. Als Lebensraum bevorzugt er naturnahe, sommerkühle Oberlaufbäche mit ausgeprägten Pufferstreifen. Den Ruf als „Gesundheitspolizei des Wassers“ verdankt er seiner omnivoren Ernährungsweise. Er nimmt damit auch eine zentrale Rolle im Nahrungsnetzwerk ein und kann als verlässlicher Indikator für ein funktionierendes Ökosystem angesehen werden.

Trotz seiner ökologischen Bedeutung befindet sich der Steinkrebs heute in einer kritischen Situation. Seit dem Auftreten der Krebspest im 19. Jahrhundert sind die Bestände drastisch eingebrochen. Die Ausbreitung und Einschleppung invasiver, gebietsfremder Flusskrebsarten als direkte Konkurrenten und Vektoren des Krebspesterregers, der fortschreitende Lebensraumverlust, steigende Wassertemperaturen, Wasserknappheit sowie organische, chemische und Feinsedimentbelastungen durch intensive Land- und Forstwirtschaft setzen den Beständen weiterhin zu. Inzwischen kann der Bestandsrückgang mit bis zu 80 % beziffert werden. Gleichzeitig hat sich auch das Verbreitungsgebiet deutlich verkleinert. Besonders betroffen sind jene sommerkühlen Oberlaufbäche, die als Rückzugsräume für die Art dienen und durch die Folgen des Klimawandels sowie die Ausbreitung invasiver Arten zunehmend unter Druck geraten.

Der Schutzstatus des Steinkrebses unterstreicht die Dringlichkeit dieser Entwicklung. Die Art ist europaweit durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt und in den Anhängen II und V gelistet. Aufgrund der anhaltenden Bestandsverluste und der Vielzahl an Gefährdungsfaktoren wird der Steinkrebs in der Roten Liste Österreichs als „gefährdet“ und in aktuellen landesweiten Roten Listen mittlerweile sogar als „stark gefährdet“ eingestuft.

Der Steinkrebs steht als Keystone Species und Charakterart stellvertretend für den Zustand aquatischer Ökosysteme. Sein Vorkommen zeigt, wo Gewässer noch naturnah funktionieren. Sein Rückgang macht gleichzeitig sichtbar, wie stark diese empfindlichen Ökosysteme bereits unter Druck geraten sind.

(c) Text u. Bilder: Samuel Auer